Musikerin sein - Warum erst jetzt?

May 23, 2016

 

 

Letztens bin ich nach einem Auftritt gefragt worden, warum ich so lange still war und nicht schon viel früher auf die Bühne gegangen bin mit meinen Songs. Ein lieber Musiker-Kollege, der einen ganz anderen Weg gegangen ist als ich, hat sogar ganz ehrlich gefragt: Warum hast du eigentlich nicht Musik studiert? Ich war schockiert als ich festgestellt habe, dass eine Antwort auf diese Frage nicht mit einem einzigen Satz abgetan ist und habe mir mal einige Gedanken dazu gemacht, warum ich diesen, meinen Weg so gegangen bin wie ich es getan habe…

 

Es ist doch so: Jeder von uns schleppt von irgendetwas zu viel und von irgendetwas anderem zu wenig mit sich herum. So gibt es zum Beispiel Menschen, die völlig ohne Zugang zu ihren Gefühlen, dafür aber mit umso mehr Hang zur Skrupellosigkeit gesegnet sind. Andere hingegen wissen nicht wohin mit ihren oft gegensätzlichen Emotionen, die Schubladen im Inneren quellen sozusagen über und vor lauter Empathie finden sie nicht den Zugang zu sich selbst. Vielmehr sind solche Menschen hin und hergerissen zwischen verschiedenen äußeren Einflüssen, verlieren sich in den möglichen Gedanken ihres Gegenübers, ganz ohne jemals zu wissen, wer sie ohne diese Einflüsse wären, was sie selbst antreibt und was sie bewegt. Zu eben genau diesem Schlag Mensch gehöre ich und ich habe sehr lange gebraucht um heraus zu finden, wer ich bin, was mich antreibt und wofür ich all das eigentlich mache – nämlich für mich und nicht für andere!

 

 

Warum gerade jetzt und nicht schon früher? Der Weg zum zündenden Gedanken

 

Mitte 2015 war ich inzwischen Ende 20, hatte mal wieder eine Sinnkrise, weil ich wiederholt eine Beziehung nach knapp 1,5 Jahren in den Sand gesetzt hatte, und baute mich mit der Erkenntnis auf, dass ich doch schon echt viel erreicht hatte im Leben: Ich hatte ein Abitur, eine Ausbildung und ein BWL-Studium mit Bestnoten abgeschlossen und gleichzeitig auch schon beinahe 10 Jahre Berufserfahrung. Das sollte mir mal einer nachmachen! Lückenloser Lebenslauf, solides Gehalt: Check!

Soweit so gut. Was noch? Genau, ich hatte es endlich getan: Eigentumswohnung, ist doch eh viel billiger als Miete! Hübsch, klein, aber für meine Bedürfnisse genau richtig und auf jeden Fall innerhalb von 20 Jahren komplett abbezahlt. Klasse! Zur neuen Wohnung durfte es dann auch direkt noch ein kleiner Gebrauchter sein, damit es sich auch bequem aus dem Stadtrand überall hinkommen lässt. Auto, Wohnung: Doppel-Check!

Damit hatte ich doch wirklich schon so einiges geschafft und sollte doch glücklich sein. Warum war ich es dann nicht? Okay, mein Freund war weg und ich mal wieder allein. Aber das war doch nicht das erste Mal und ich kannte das doch schon. Da musste also noch was anderes sein. Und dann überkam es mich: Das alles stand auf meinem Lebens-Wunschzettel, weil es mein Sicherheitsbedürfnis befriedigt hatte und mir das kleine bisschen Luxus erlaubte, das für mich persönlich wichtig ist. Doch jetzt da ich das alles hatte, stellte ich fest, dass es seelenlos war, Gegenstände, sonst nichts. Es fehlte soziale Interatktion mit Gleichgesinnten und eine Tätigkeit, in der ich vollkommen aufgehe. Etwas, was mich glücklich macht, indem ich es immer und immer wieder tun kann.  Schlagartig kam mir die Erleuchtung: Die gleichgeschaltete Ex-BWL-Studentin in mir begann zu rebellieren und steckte ganz offensichtlich inmitten ihrer Bedürfnispyramide an der Schwelle zur Selbstverwirklichung fest, ohne einen bewussten Plan zu haben, was dieses Selbst eigentlich genau von ihr wollte.

Nun ist es ja so, dass Musik immer ein Teil in meinem Leben war, aber es war ein Hobby, etwas, das ich im stillen Kämmerlein vor mich hin betrieb. Trotzdem hatte es mich stets glücklich gemacht und mich erfüllt und ich stellte fest, dass es jetzt an der Zeit war, endlich ernsthafter in diese Richtung zu denken und mich zu fragen, was ich als Kind gewollt habe, bevor mein soziales Umfeld und seine Erwartungen meine Träume manipuliert und mich zu einem existenzängstlichen, gleichgeschalteten, Komsumäffchen gemacht haben. Und ich stellte fest: Ja, damals wollte ich irgendwann mal Musik machen und auf einer großen Bühne stehen!

Abgehalten haben mich vor allem Selbstzweifel. Die klassische musikalische Ausbildung, in der kein Fehler verziehen wurde und immer alles perfekt sein musste, trugen wohl genauso dazu bei wie mein Elternhaus, in dem eine Eins in der Schule meist unkommentiert blieb, bei einer zwei oder gar einer drei aber direkt der Haussegen schief hing. So lernte ich – begünstigt durch ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis und mangelndes Durchsetzungsvermögen – sehr schnell die Bedürfnisse anderer Menschen zu meinen eigenen zu machen. Wenn sie glücklich waren, war ich es auch. Ich zog meine Stärke und Energie weiterzumachen häufig daraus und kam sehr weit damit. Aber eben nur sehr weit und nicht weiter….

 

Lebens-Tabularasa 2.0: Der Umdenkprozess – Das Sabbatical

 

Nun, vielleicht liegt es am Alter. Vielleicht ist es uns Frauen in die Gene programmiert, dass wir – sobald wir auf die 30 zugehen – irgendwas Verrücktes mit unserem Leben tun und sei es nur, zu beschließen, einfach niemals älter als 29 zu werden. Ich jedenfalls habe seit meinem 25. Lebensjahr das – in etwa proportional zur Anzahl meiner neuen grauen Haare -wachsende Bedürfnis, mein bisheriges Leben zu hinterfragen und – sagen wir – auszumisten. Ich habe in den letzten Jahren – vor allem auch durch das berufsbegleitende Studium und meinen Job im Beratungssektor – gelernt,  wirklich stolz auf mich zu sein und Vertrauen in meine Fähigkeiten zu haben, mich gleichzeitig aber auch nicht zu ernst zu nehmen. Ich habe gelernt, dass ich nicht perfekt sein kann, egal wie sehr ich es versuche, ich habe festgestellt, dass andere auch nur mit Wasser kochen und dass es außerdem sehr erfrischend sein kann, auch mal Fehler zu machen, weil sie auch neue Denkanstöße sein können. Allein deshalb schon ist der Weg, den ich bisher gegangen bin für mich genau der richtige gewesen! In diesem Zusammenhang habe ich aber auch festgestellt, dass ich für mich selbst einiges anders machen möchte, als es in bestimmten Strukturen vorgegeben wird.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit auszumisten und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen: Raus mit allem, was in meinem Leben nur Platz verschwendet, ohne mir jemals etwas gebracht zu haben. Oder anders gesagt: Was mich nicht glücklich macht, muss weg. Und was nicht weg kann, muss eben irgendwie so optimiert werden, dass es zumindest angenehmer ist. Und um das zu schaffen und mir klar zu werden, was mich wirklich glücklich macht, habe ich nach langem hin und her überlegen im September 2015 meinen ganzen Mut zusammen genommen und beschlossen, mich endgültig gegen eine zielstrebige BWLer-Karriere zu entscheiden und meinen lückenlosen Lebenslauf durch ein einjähriges Sabbatical etwas aufzuhübschen…

 


Gedanken zum Anfang oder: Aller Anfang ist schwer!

 

Schonungsloses Lebens-Tabula-Rasa 2.0! Auf geht’s! Ich kann es kaum erwarten. Nur, wo fange ich an?

Ein Anfang. Das ist ein Beginn. Wenn ich das so lese, sind das erst einmal positiv belegte Worte. Anfangen bedeutet doch etwas zu tun, etwas in Bewegung zu setzen oder Dinge zu erledigen, sie hinter sich zu bringen oder etwas völlig Neues, Außergewöhnliches zu kreieren. Anfangen ist Dynamik! Aber wenn dem so ist, warum fällt es mir so schwer? Jeden Morgen aufzustehen, den Tag anzufangen: Insbesondere Montagsmorgens beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Steuererklärung? Selbst wenn ich weiß, dass ich gute Chancen auf eine Erstattung habe, ist die Entscheidung, endlich anzufangen und es dann auch wirklich zu tun oft völlig verschiedene Dinge. Aber war das immer so?

Früher war ich glaube ich nicht so bequem. Nur die Hausaufgaben, die anzufangen war irgendwie immer schon schwer. Aber liegt der Hund nicht genau hier schon begraben? Darin, dass wir lernen, Dinge tun zu müssen, egal ob wir wollen oder nicht, egal ob sie uns etwas nützen, ob sie uns Spaß machen? Sind die Hausaufgaben in Mathematik aus der 11. Klasse vielleicht schuld daran, dass ich heute quasi widerstandslos akzeptiere, so viel Zeit mit freudlosen Dingen zu verbringen?

Erst letztens habe ich mit meinem Vater einmal wieder stundelang am Telefon philosophiert (eine unserer Lieblingsbeschäftigungen, mit ihm geht das auch einfach ziemlich gut). Eine unserer wesentlichen Erkenntnisse: Wenn ein Gymnasialschüler mit wirklich guten Noten davon träumt, Bäcker zu werden und dieser Traum durch Lehrplan und Erwartungen an eine große Arzt- oder Anwaltskarriere beerdigt anstatt gefördert wird, wie kann dieser Schüler später im Leben wirklich erfüllt glücklich sein? Er hat doch schon während der Schulzeit gelernt, dass es sich nicht lohnt und nicht zu finanzieller Sicherheit führt, seinen Träumen Raum zu geben und sie zu leben. Ergo ergibt er sich in sein von äußeren Einflüssen und Erwartungen geformtes Schicksal, wird ein mittelmäßiger Anwalt, der nach 20 Jahren das erste Mal vom Schreibtisch aufblickt und sich fragt, wo all die Zeit geblieben ist. Eines schönen Tages wird er womöglich bereuen, nicht richtig gelebt zu haben. Er hat nie angefangen. Angefangen, sich von äußeren Zwängen zu lösen, angefangen sich zu fragen, was ihn glücklich macht und nie angefangen zu hinterfragen, ob der für ihn geebnete Weg auch wirklich der beste für ihn war. Warum? Er hat es nie gelernt.

Nachdem ich dies erkannte hatte, half mir vor allem Das Buch “Mit dem Elefant durch die Wand” von Alexander Hartmann, mich mich zu motivieren und mich selbst nicht mehr ganz so ernst zu nehmen, gleichzeitig aber auch viel positiver, produktiver und gelassener zu werden. Nachdem ich das Buch durchgeackert hatte habe ich beschlossen, dass ich in meinem Leben wieder offen für Neues sein will und dass vor einem eines nicht passieren darf: Stillstand! Ich brauche eine Prozess, es muss etwas passieren in meinem Leben! Und weil ich mir das gewünscht habe, war es plötzlich gar nicht mehr so schwer, einfach anzufangen. Das Gespenst “Anfang” hatte seinen Schrecken verloren. Nicht zuletzt auch, weil ich mit einer guten Freundin mal wieder zusammen gesessen und von meinem Musikerleben geträumt habe. Doch dieses Mal hat sie mir die Löffel lang gezogen und gesagt: “Hör auf zu träumen und mach dir einen Plan!” So habe ich das Große Ganze entwirrt und einfach irgendwo angefangen, einen Kieselstein ins Rollen zu bringen und daraus sind schon jetzt ganz tolle neue Möglichkeiten entstanden und ich muss nun einfach nur noch am Ball bleiben.


Die Antwort auf die Eingangsfrage


Finally: Ich habe erst jetzt den Weg zur Musik in der Öffentlichkeit gefunden, weil ich ihren Wert für  mich selbst erst sehr spät erkannt habe. Selbstzweifel und ein übertriebener Perfektionismus haben mich vom Anfangen abgehalten, das Große Ganze war immer viel zu weit entfernt und wirkte zu unrealistisch, weil ich es nie ernsthaft durchdacht und versucht habe. Heute weiß ich: Es wird nicht immer einfach sein, aber an etwas festzuhalten, was einen glücklich macht kann niemals verkehrt sein. Ich bin sehr gespannt, was ich bis zum Ende diesen Jahres schon alles schaffen werde, um dann langsam aber sicher konkrete Pläne für das Jahr 2017 machen zu können: Das Jahr, das komplett mir gehört!

 


Warum ich das hier alles blogge


Weil ich glaube, dass es irgendwo da draußen noch ganz vielen anderen so geht wie es mir gegangen ist. Es ist inzwischen eine Art “Volkskrankheit”, nicht mehr zu träumen und hoffnungslos realistisch zu sein und damit teilweise sogar in den Pessimismus abzurutschen. Was ist falsch daran, selbstbewusst zu sein und für das zu kämpfen, was man für sich erreichen will? Das Leben schenkt einem nichts, aber wir haben nur dieses eine. Also sollten wir es nutzen, um das für uns Beste daraus zu machen, um am Ende eines langen Tages unser aller Ziel zu erreichen: Glücklich sein!

Ich halte euch selbstverständlich auf dem Laufenden und versuche vor allem, auch dann mal zu bloggen, wenn ich gerade mal wieder einen miesen Tag habe, denn natürlich gehören auch die dazu. Niemand ist ein immer gut gelaunter und lückenlos produktiver Übermensch, der jede Sekunde seines Lebens wie eine Maschine damit verbringt, seinen Traum zu verfolgen. Ganz im Gegenteil: Akku aufladen und auch mal ein bisschen Müßiggang oder ne miese Phase gehören auch dazu, ganz klar! Aber irgendwann muss man sich auch mal wieder aufraffen, um den Faden nicht zu verlieren. Und genau davon will ich hier auch berichten. Dieser Blog soll euch motivieren, euren eigenen Weg zu gehen. Er soll euch inspireren, euren Weg zu finden und er soll euch helfen, indem ihr merkt, dass ihr nicht allein seid, wenn ihr mal eine Down-Phase habt. Außerdem soll er euch helfen, die Motivation hinter meinen Songs zu verstehen und meine Songs zu nutzen, euch Energie für eure Träume und Pläne daraus zu ziehen! Wenn das klappt, habe ich mit meinem eigenen Traum auch noch andere glücklich gemacht. Und das ist wirklich das höchste, was ich mir an Glück vorstellen kann! Ein Anfang macht mein Song “Trübsal“, in dem es genau um solche trüben, unmotivierten Tage geht.
 

Alles Liebe und bis ganz bald wieder,

eure Kate
 

PS: Nachdem ich beschlossen hatte, meinen Traum zu leben und mein Glück nicht mehr von anderen Menschen abhängig zu machen, hatte ich plötzlich sogar meinen Freund wieder ;-). Zieht also Glück noch mehr Glück an? Von Geld wissen wir das ja, aber wie schön ist doch der Gedanke, dass das mit Glück auch geht.

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